Liebe Schülerin, lieber Schüler der Anna-Warburg-Schule,
wir freuen uns, dass Sie sich mit Ihrer Entscheidung unsere Schule zu besuchen, für eine Ausbildung in einer Fachrichtung entschieden haben, die für unsere Gesellschaft sehr wichtig ist. Diese Aufgabe stellt hohe Erwartungen an Sie. Wir möchten Ihnen in diesem Vorwort vorstellen, was die Grundlagen unserer Arbeit als Lehrkräfte dieser Schule sind und was wir von Ihnen als Grundlage Ihrer Arbeit als Schülerin und als Schüler erwarten.
Unsere Schule – unsere Werte
Werte sind beides: unser kleinster gemeinsamer Nenner, aber auch unsere größte gemeinsame Errungenschaft. Das Wissen um gemeinsame Werte versetzt uns als soziale Wesen in die Lage, Gemeinschaft aufzubauen. Denn geteilte Werte schaffen Vertrauen. Sie sind der Boden, auf den wir unsere Schritte setzen, wenn wir aufeinander zu gehen.
Wir sind der Ansicht, dass es wichtig ist, Werte bewusst auszuwählen und auszusprechen. Wer sich seiner Werte bewusst ist, wird sie auch verinnerlichen. Wer seine Werte verinnerlicht hat, kann sie nach außen leben.
Es macht einen Unterschied, von Grundrechten nur zu wissen oder sie tatsächlich beim Wort zu nehmen. Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wird benannt, woran wir uns und unsere Arbeit orientieren.
Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Artikel 2
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
Artikel 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse [1], seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Was bedeutet für uns …
… Vielfalt
Wir sind nicht gleich. Aber wir haben die gleichen Rechte. Vielfalt und verschiedene Perspektiven empfinden wir als Bereicherung. Unser Ziel ist ein friedlicher und respektvoller Umgang mit dieser Vielfalt.
… Gemeinschaft
Wachstum und freie Entfaltung sind erst in der Gemeinschaft möglich. In einer Gesellschaft, die Einzelinteressen sowie dem Streben nach Individualität und Abgrenzung einen hohen Stellenwert einräumt, ist schulisches Zusammenleben das Ergebnis gemeinsamer Bemühung.
… Verantwortung
Für uns ist selbstverständlich, dass wir Aufgaben und Verantwortung für die Schulgemeinschaft übernehmen. Zur Verantwortung gehört auch, das eigene Handeln vorurteilsbewusst zu reflektieren und den gemeinsamen Werten anzupassen.
… Wertschätzung
Wertschätzung bedeutet für uns Toleranz, Respekt, Rücksichtnahme und eine grundsätzliche Bereitschaft, die anderen anzunehmen. Wir erwarten einen wertschätzenden Umgang miteinander, der auch über die Schule hinaus gilt, etwa in sozialen Netzwerken.
… Qualität
Wir haben einen hohen Anspruch sowohl an unsere Gemeinschaft als auch an das, was wir als Schule inhaltlich vermitteln. Professionalität und Kompetenz sowohl von Lehrkräften als auch von Schülerinnen und Schüler in pädagogischer wie fachlicher Hinsicht zu fordern, zeichnet uns aus.
… Empathie
Nur wenn wir in der Lage sind, die Perspektive der anderen einzunehmen, können wir sie wirklich verstehen und unterstützen. Sich in andere einzufühlen, ist die Grundkompetenz der Pädagogik und die Basis für ein friedvolles und gedeihliches Miteinander.
… Kommunikation
Wir bleiben im Gespräch miteinander. Missverständnisse entstehen überall dort, wo geschwiegen oder schweigend vorausgesetzt wird. Auch Kritik und Streitkultur gehören zum Miteinander – wenn sie konstruktiv sind und den anderen nicht verletzen.
Aus all dem ergibt sich eine im Zusammenspiel gelebte Gemeinschaft. Dass diese nicht immer einfach ist, gehört dazu. Gemeinschaft trotz aller Unterschiedlichkeit, aller Widersprüche und auch Konflikte – das ist, was uns antreibt und motiviert. Wir sind aus voller Überzeugung eine Schule mit Courage, eine gastfreundliche Schule, eine Schule gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass. Die Anna-Warburg-Schule will genau die Erfahrungen ermöglichen, die Kinder jeden Tag beim Spielen machen: zusammenarbeiten, produktiv sein, sich streiten und sich wieder vertragen, andere mitnehmen, das Anderssein aushalten und zu einem guten Ergebnis kommen.
„Die Erziehung und Bildung soll […] darauf gerichtet sein, das Kind auf ein verantwortungsbewusstes Leben in einer freien Gesellschaft, im Geist der Verständigung, des Friedens, der Toleranz, der Gleichberechtigung der Geschlechter und ethnischer, nationaler, religiöser und sozialer Gruppen vorzubereiten.“ (Sozialgesetzbuch VIII, § 2, Abs. 2.2)
Mit diesem Wegweiser möchten wir Ihnen den Einstieg erleichtern und es soll ein Begleiter für Ihre Ausbildung sein.
Wir haben wichtige Informationen und Regelungen für Sie zusammengestellt, die Sie bitte aufmerksam lesen. Eventuelle Fragen beantworten Ihnen gerne Ihre Klassenleitung. Den Erhalt dieser Informationen bestätigen Sie mit Ihrer Unterschrift.
Mit Ihrer Unterschrift bestätigen Sie gleichzeitig, dass Sie sämtliche im Wegweiser aufgeführten Regelungen zur Kenntnis genommen haben und bereit sind, sie zu beachten.
Für Ihren Bildungsweg an der Anna-Warburg-Schule wünschen wir Ihnen viel Freude und Erfolg.
Ihre Lehrerinnen und Lehrer und die Schulleitung der Anna-Warburg-Schule
[1] Dieser Begriff steht bis heute im Grundgesetz, obwohl mittlerweile erwiesen ist, dass es keine unterschiedlichen menschlichen Rassen gibt. Initiativen, diesen Begriff aus dem Grundgesetz zu entfernen, waren bisher erfolglos.
August 2024