Europa-Projekte

Erasmus+ für LehrerInnen

Im Zuge des EU-Programms werden auch Lehrkräfte an Hochschulen und Beruflichen Schulen gefördert, die entweder im Ausland unterrichten oder Fortbildungen im Ausland besuchen möchten.

Auf dieser Seite lesen Sie die Erfahrungsberichte.

Oxford

Ausgestattet mit einem Erasmus Stipendium der Europäischen Union machte ich mich im August 2016 auf den Weg nach Oxford, um zwei Wochen meiner Sommerferien einer Fortbildung speziell für Englischlehrkräfte zu widmen und eine der ältesten Universitätsstädte kennenzulernen.

Oxford liegt etwa 90 Kilometer nordwestlich von London an der Themse. Von Heathrow aus fuhr ich ca. 1 ½ Stunden mit dem Überlandbus in die „Stadt der träumenden Zinnen“.

Unterkunft hatte ich in einer internationalen Studenten-WG gefunden. Von dort war es ein halbstündiger Spaziergang vorbei am Oxford Castle zum British Study Centre (BSC), das zentral im historischen Zentrum Oxfords liegt.

Das BSC bietet zahlreiche Englisch-Kurse für verschiedene Zielgruppen an. Ich hatte mich für den Kurs Advanced Language and Methodology entschieden, der sich speziell an erfahrene Lehrkräfte wendet. Der sehr intensive Unterricht umfasste 10 Tage á 4 Stunden. Die neun anderen teilnehmenden Lehrerinnen des ALM-Kurses kamen aus fünf verschiedenen Ländern: Schweden (2), Polen (1), Spanien (2), Italien (3), Deutschland (1) und unterrichteten in ihren Heimatländern alle in der Sekundarstufe II. Es gab eine große Vielfalt von vorgestellten und ausprobierten methodischen Ansätzen, die zu ausführlichen Diskussionen anregten, gerade auch wegen der unterschiedlichen Erfahrungen der Teilnehmerinnen an den Schulen ihrer Herkunftsländer.

Nach dem Unterricht wurden fachkundig geführte Touren in und um Oxford angeboten, u.a. vom Leiter des British Study Centres, sodass unzählige geschichtliche und landeskundliche Aspekte thematisiert wurden.

Die erste Tour führte uns durch die Stadt und entlang der Themse.

Innerhalb von Oxford kann man sich bequem zu Fuß fortbewegen, die Distanzen sind klein und die Stadt überschaubar. In der Altstadt fühlt man sich in die Zeit zurück versetzt, in der das weltberühmte Oxford zu der Universitätsstadt wurde, die sie bis heute noch ist.

Christ Church College Esssaal, Innenhof und Außeransicht

 

Wir konnten an einem anderen Tag einige der 38 Colleges besuchen. Allen Colleges gemeinsam ist die Anordnung der Gebäude um einen großen, begrünten Innenhof und eine kleine Kirche oder Kapelle. Im bekanntesten College, Christ Church, waren besonders viele Touristen, möglicherweise weil hier einige Szenen von Harry Potter gefilmt wurden.

Wir besuchten auch das berühmte Ashmolean, das weltweit erste einer Universität angegliederte Museum und das University Museum of Natural History and Pitt Rivers.

Ein weiterer Anlaufpunkt war der botanische Garten, dessen großzügig angelegter Park auch von vielen Studenten zur Mittagspause genutzt wird und in dem sich früher Lewis Carroll, der Autor von Alice in Wonderland, gerne aufhielt.

An einem Abend machten wir einen sogenannter pub crawl, eine Kneipentour, bei der wir drei verschiedene Pubs besuchten. Dabei sind wir auf den Spuren der berühmten Schriftsteller Tolkien (The Hobbit) und C.S.Lewis (The Narnian Chronicles) gewandert.

Die Kurteilnehmerinnen mit ihren Zertifikaten

Der Austausch mit den anderen Kursteilnehmerinnen, auf beruflicher aber eben auch auf persönlicher Ebene, führte dazu, dass ich mich seit Oxford noch viel mehr als Europäerin fühle.

Josephine Brandhofer

 

Valencia

In den Ferien hatte ich die Möglichkeit, Dank eines Stipendiums der Europäischen Union im Rahmen von ERASMUS +, an einer Fortbildung für Lehrerinnen teilzunehmen, die Spanisch als Fremdsprache unterrichten.

Ich habe mich im Vorwege über die vielfältigen Möglichkeiten informiert und habe mich für die Sprachschule Espanolé Valencia in der wunderschönen spanischen Stadt Valencia entschieden.

Espanolé Valencia ist eine familiär geführte Sprachschule in dem historischen und zugleich modernen Stadtpalast "Palacio de los Fernández de Córdova", nur wenige Meter von der Kathedrale, einem der touristischen Highlights Valencia, entfernt. Diese Sprachschule bietet ein sogenanntes „teacher training“ nach hohen Qualitätsstandards an. Insgesamt habe ich diese Fortbildung als sehr motivierend für meine weitere Lehrtätigkeit empfunden und würde mich sehr freuen, in einem der kommenden Jahre diese Erfahrung wiederholen zu dürfen.

Obwohl wider Erwarten aufgrund der geringeren Teilnehmerzahl der Austausch auf europäischer Ebene eher gering war, ermöglichte gerade diese kleine Gruppengröße ein sehr intensives Arbeiten mit einem großen Gesprächsanteil der einzelnen Teilnehmer in der Zielsprache, so dass die Sprachpraxis stark gefördert wurde. Unter diesen Arbeitsbedingungen konnte die Themenvertiefung nach individuellen Interessenwünschen stets ermöglicht werden. Insbesondere kulturelle sowie politische, aber auch gesellschaftliche Entwicklungen Spaniens haben wir erfahren. Neben der Analyse von grammatikalischen Einheiten, hat mich Reflexion der Entwicklungen in der Jugendsprache bereichert, so dass ich jetzt gut „upgedated“ bin.

Die vielfältigen Materialien werde ich meinen Kolleginnen in einer schulinternen Fortbildung erläutern bzw. im gemeinsamen Austausch auf unsere Lerngruppen anpassen. Ich kann ihnen diese Art der Fortbildung in jeglicher Hinsicht nur ans Herz legen - nicht zuletzt auch deshalb, weil Valencia unzählige kulturelle (u.a. Ciutat de les Arts i les Ciències –siehe Fotos), gastronomische sowie sportliche Attraktionen zu bieten hat, so dass die Reise äußerst inspirierend für die weitere Unterrichtsplanung ist.

Tanja Zimmermann, Lehrerin für Spanisch und Wirtschaft

Edinburgh

Die Edinburgh School of English bot in den Sommerferien einen „Overseas Teachers Methodology Course” an. Die 10 Teilnehmer – alles Lehrer der Sekundarstufe II – kamen aus verschiedenen europäischen Ländern. Demzufolge war die englische Sprache die einzige Kommunikationsmöglichkeit mit den Dozenten und auch zwischen den Teilnehmern. Schon allein deshalb war der Kurs lohnenswert und geeignet, die aktive Sprachkompetenz zu verbessern, weil man in einer kleinen Gruppe immer wieder gefordert war, sich in der Fremdsprache zu äußern.

 

Den Teilnehmern wurde eine große Auswahl von aktuellen Unterrichtsmaterialien vorgestellt. Neue theoretische Ansätze wie z.B. teaching unplugged oder dogme wurden vorgestellt und ausführlich diskutiert. Sehr wertvoll war auch der Erfahrungsaustausch mit den anderen Lehrern aus Europa. Der Kurs bot die Möglichkeit, eigene Vorgehensweisen und Haltungen zum Thema Unterricht und Lernen zu evaluieren. Gemeinsam wurde eine Sammlung von Internetlinks erarbeitet, die weitere Inhalte und Methoden für die Unterrichtsvorbereitung beinhalten. Diese Links wurden von einer der Dozentinnen evaluiert.

Edinburgh ist eine alte und sehr interessante Stadt mit vielen Kulturdenkmälern, die es in der unterrichtsfreien Zeit zu entdecken galt.

Beeindruckend war die große Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Schotten. Zu dem zu der Zeit bevorstehenden Referendum im September gab es viele interessante Gespräche und Diskussionsansätze.

An den Wochenenden blieb noch etwas Zeit, die Umgebung, besonders die Highlands zu erkunden, was eine willkommene Abwechslung zu der sehr belebten und zum Teil überfüllten Stadt darstellte. Ein Grund für den Besucheransturm waren die Commonwealth Games, die außer in Glasgow auch in Edinburgh stattfanden.

Frauke Bradel

Valletta

Bei der Fortbildung in Valletta handelte es sich um eine speziell auf Lehrkräfte abgestimmte Fortbildung namens „English Language Teaching Methodology for Non-Native English Language Teachers“ an der Easy School of Languages.

Neben den inhaltlichen Aspekten, die die Unterrichtsqualität insbesondere in Hinblick auf eine neue Methodenvielfalt verbessern sollten, stand während dieser Fortbildung der rege Austausch mit anderen Lehrkräften aus dem inner- und außereuropäischen Ausland im Vordergrund. Den TeilnehmerInnen wurde ein Austausch über die länderspezifischen Bildungs- und Schulsysteme, gängige Unterrichtsmethoden und die inhaltliche Ausgestaltung der Bildungspläne ermöglicht.

Auch die eigene Sprachkompetenz wurde während der Fortbildung durch gezielte Übungen, die ebenfalls mit SchülerInnen angewendet werden können, und die tägliche selbstverständliche Kommunikation in der englischen Sprache aufgefrischt und vertieft.

 

Unterstützt wurde der Lernzuwachs durch den besonderen Flair eine Fortbildung im Ausland besuchen zu können, dabei die Kultur, Traditionen und Besonderheiten des Landes authentisch kennenzulernen.

Bei Malta handelt es sich um einen südeuropäischen Inselstaat im Mittelmeer, der aufgrund seiner Lage und einhergehender Historie von arabischen, französischen und britischen Einflüssen geprägt wurde, die noch heute sichtbar sind.

1814 wurde Malta offiziell als englische Kronkolonie anerkannt und erst im Jahre 1964 als konstitutionelle Monarchie im Rahmen des britischen Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. Die Amtssprachen sind bis heute Malti und Englisch.

Besonders in Maltas Hauptstadt Valletta ist die Geschichte des Landes spür- und sichtbar. Valletta gehört aufgrund ihres kulturellen Reichtums seit 1980 zum UNESCO Weltkulturerbe und wird im Jahr 2018 Europäische Kulturhauptstadt sein. Die Stadt lockt nicht nur Kulturbegeisterte, sondern auch viele SprachschülerInnen an, die an den zahlreichen Sprachschulen der Stadt ihre bisherigen Englischkenntnisse anwenden und vertiefen möchten.

Katja Vodegel

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass es ausgesprochen lohnenswert ist diese von Erasmus+ geförderten Fortbildungen in Anspruch zu nehmen. Die eigene Motivation die neu kennengelernten Unterrichtsmethoden und Eindrücke von Land und Leuten anschließend mit den SchülerInnen zu teilen ist sehr hoch.

Durch die Aufenthalte in den Ländern können landeskundliche Inhalte anschließend viel authentischer und überzeugender unterrichtet werden, da der persönliche Bezug zu dem Land und den dortigen Gegebenheiten sehr viel größer geworden ist. Als eine zusätzliche positive Auswirkung dieser Reisen lässt sich noch hinzufügen, dass eine der Kolleginnen, gemeinsam mit einem weiteren Englischkollegen, nun jährlich eine englischsprachige Studienreise für die SchülerInnen des Beruflichen Gymnasiums nach Malta anbietet, um den TeilnehmerInnen einen Einblick in die Geschichte, Kultur und Traditionen des Landes zu ermöglichen.