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Tag der Musik und Verleihung des Anna-Warburg-Preises an Tugce Sahin

 

Heute wurde im feierlichen Rahmen eines hochkarätigen Musikprogramms zum 4. Mal der Anna-Warburg-Preis an eine Schülerin unseres Hauses vergeben.

 

Der Anna-Warburg-Preis in Höhe von 1000,. Euro wird jährlich von der Stiftung Leuchtfeuer gesponsert, der wir für ihre Unterstützung an dieser Stelle auf das herzlichste danken!

 

 

 

Frau Tugce Sahin forschte und entwickelte unter dem Titel

"Junge Menschen stark machen- gelungene Intergration als Gegenmittel gegen die Radikalisierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund"

einen Baustein für ein pädagogisches Integrationskonzept.

 

Die Schulleiterin Elke Weiß und die weiteren Jury-Mitglieder betonten, dass die Intention und die Aussagequalität der Arbeit in hohem Maße mit dem weltanschaulichen Selbstverständis der Anna-Warburg-Schule zusammenpassten.

Die im schulischen Rahmen aber auch lokalpolitisch überaus engagierte Frau Sahin möchte das Preisgeld in Höhe von 1000,- Euro nutzen um Brunnenprojekte in Zentralafrika zu unterstützen.

 

Tag der Musik – Ein Fest der Talente

Seit mittlerweile sieben Jahren pflegt die Anna-Warburg-Schule die Tradition,einen Tag der Musik zu begehen, an dem auch der Anna-Warburg-Preis verliehen wird.

So fanden sich auch in diesem Jahr wieder viele Talente, die das Publikum zum Staunen und begeisterten Mitklatschen bringen konnten.

Von Wolfgang Schiffner und Sabine Gienow moderiert, zeigten zunächst unsere Jüngsten aus der Pakita, wieviel Spaß sie beim gemeinsamen tanzen und singen des Pakita-Songs haben.

Mit eigenen Kompositionen verzauberten Samira Sadaghiani am Klavier und Nadine Hopp mit Gesang und Gitarre. Lara Süphke spielte Filmmusik aus „Die wunderbare Welt der Amelie“, Shahin Keshmiri und Melina Kirsch bildeten mit Klavier und Gesang ein sehr hörenswertes Duo. Den Song „Sing out“ von Cat Stevens, begleitet von Herrn Schiffner an der Gitarre, performte in guter Soulstimme Finnja Lange. Aber auch Neele Fischer und Felix Orth erhielten viel Beifall für „Run to me“, für Gitarre und Gesang.

Die SPA 14-09 mit Herrn Schiffner riss das Publikum mit dem „Cup Song“ rhythmisch mit, Frau Averhoff brachte mit der SPA 14-11 nicht nur den Song „Waving Flag“ zu Gehör, sondern hatte durch einen Schüler noch eine Breakdanceeinlage zu bieten.

Aus allen unseren Bildungsgängen kamen Schülerinnen und Schüler auf die Bühne! Als Rahmenprogramm für den Anna-Warburg-Preis präsentierte unsere Schule hier wieder einmal eine große künstlerische Vielfalt und stellte an diesem Tag die verborgenen Talente ins Licht der Bühne.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr!

 

 

 

Laudatio für Tugce Sahin

Im Folgenden dokumentieren wir die Rede, die Frau Ilka Landeck anlässlich der Preisverleihung gehalten hat.

Beide eingereichte Arbeiten beschäftigen sich mit dem brisanten Thema der Integration von Zuwanderern in unsere Gesellschaft und wie diese besser gelingen könnte. Dabei ist es gelungen, dass aus dem zunächst allgemein gehaltenen Thema: „Kinder stark machen“ zwei hochaktuelle Unterthemen entwickelt wurden. Wir haben für den Anna-Warburg-Preis 2015 die Arbeit von Tugce Sahin ausgewählt.

Der Titel lautet:

Junge Menschen stark machen – gelungene Integration als Gegenmittel gegen Radikalisierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Das Thema  „Integration“  ist an sich ja schon ein heikles Thema, kompliziert und schwierig. Daher ist es  umso mutiger, sich mit den Bedingungen auseinanderzusetzen, die zu Islamismus und islamistisch motivierten Terrorismus führen können.

 

Die Arbeit überzeugt nicht allein dadurch, dass sie von einer jungen Frau geschrieben ist, die selber aus einer Zuwandererfamilie stammt und gläubige Muslima ist, sondern, weil sie sich schon sehr lange auch auf kommunalpolitischer Ebene in Wilhelmsburg mit dem Thema befasst ist. Es handelt sich daher nicht um ein Projekt, das nur für den Anna-Warburg-Prei entstand.

 

Inhaltlich wertet Tugce ihre Erfahrungen aus ihrem  Praktikum an der sehr multikulturell zusammengesetzten Nelsen-Mandela-Schule unter dem Aspekt der Identitätsentwicklung von Kindern in kultureller Vielfalt aus. Fachlich bedient sie sich dabei sehr kompetent der Identitäts-Theorie George Herbert Meads.

 

In einem sehr informativen theoretischen Teil geht sie insbesondere auf die Begriffe Salafismus, Dschihad und Islamismus ein und erläutert überzeugend den Zusammenhang von „gescheiterter Integration“ insbesondere im Bildungsbereich als „Weg in die Radikalisierung“. Zudem erfährt man Interessantes und Wissenswertes über den Umgang mit Religion und über den Unterschied zwischen Islam und Islamismus sowie über die Bedeutung von Salafismus und Dschihad.

 

Eine  zweite praktische Säule stellt die Durchführung einer Podiumsdiskussion an unserer Schule im April dar, die Tugce selbstständig organisiert und moderiert hatte, und zu der sie einige kompetente Schlüsselpersonen aus Hamburg eingeladen hatte. Und sie plant schon eine weitere Veranstaltung, zu der sie auch unseren Bildungssenator Ties Rabe in unsere  Schule bekommen möchte.

 

Hut ab! Tugce!

 

Am Ende dieser Arbeit stehen kein Produkt, auch kein durchgeführtes oder durchführbares Projekt, sondern die Bemühungen, Veränderungen in den Köpfen zu bewirken. Dabei wird eine große Kraft und Verantwortung den Religionen zugeschrieben und das interreligiöse Lernen in den Schulen von Anfang an als große Chance gesehen.

 

Deutlich wird, dass für jede Art von Radikalisierung in erster Linie alle anfällig sind, die am Rande der Gesellschaft stehen, die sich nach festen Bindungen und einfachen Regeln und Wertorientierungen sehnen, die daher leicht verführbar sind, wenn ihnen starke Stützen zu einer starken Identitätsentwicklung fehlen.

 

Wie aktuell das Thema ist, das diese Arbeit aufgreift, zeigt der Fall eines Schülers unserer Schule, der letztes Jahr nach Syrien ging und dort im IS-Terrorkrieg starb. Erst vorletzte Woche gab es einen ausführlichen Bericht auf ARD über die speziellen salafistische Anwerbenetzwerke des IS, insbesondere junge deutsche Frauen zur Ausreise nach Syrien zu verführen. Diese sind und waren auch hier in Hamburg bereits leider mehrfach erfolgreich. Und der furchtbare Anschlag in Tunesien auf am Strand liegende Urlauber ist uns noch vor Augen.

 

Diese Arbeit passt auch zu uns und der Namensgeberin unserer Schule. Sie passt zum Motto „Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage“.

 

Tugce jedenfalls hat sehr viel Courage. Seit Jahren ist sie schon kommunalpolitisch im multikulturellen Stadtteil Wilhelmsburg tätig, und demnächst wird sie sich bei der „Jungen Islamkonferenz – Hamburg“ engagieren.

 

Ihr Preisgeld will sie, wenn ich richtig informiert bin, hauptsächlich für Brunnenprojekte in Afrika verwenden.

 

Vielen Dank Tugce Sahin und machen Sie weiter so!!