Niendorfer Marktplatz 7a • 22459 Hamburg • Tel.: 040 4288 692-0 • E-Mail: bs23@hibb.hamburg.de

Eindrücke aus der KZ-Gedenkstelle Neuengamme

Am 14.11.2016 besuchten wir, die Klasse BG14A, mit unserer Tutorin Frau Mertenskötter die KZ-Gedenkstelle Neuengamme um dort ein Zeitzeugengespräch mit einer Überlebenden des Minsker Ghettos zu führen und um anschließend eine geführte Besichtigung zu machen.

 

Um 8:20 trafen wir uns am Bergedorfer Bahnhof, um mit dem Bus nach Neuengamme zu fahren.

Es war ein sehr kalter, wolkenloser und sonniger Tag. Das schöne Wetter kontrastierte so die Stimmung, die von diesem Ort, dem ehemaligen KZ und Gefängnis, ausgeht.

 

Wir stiegen an der Bushaltestelle Jean Dolidier Weg aus. Diese ist nach einem französischen Gewerkschafter benannt, welcher das KZ Neuengamme überlebte.

Diesem Weg folgten wir bis zum Mahnmal an das ehemalige KZ, einer hohen Steinsäule mit Inschrift, vor der das ganze Jahr über niedergelgte Kränze, zuletzt anlässlich des November-Pogroms, zu finden sind.

Auf diesem Weg führte uns unser Klassenkamerad René, welcher anlässlich seines Praktikums in der Vorstufe und seiner Hausarbeit, viel Zeit in Neuengamme verbracht hat und sich viel mit der Thematik beschäftigt.

So konnte er uns interessante Informationen vermitteln und wir wiederum konnten unsere Fragen an ihn richten.

Durch die Tatsache, dass wir von einer uns vertrauten Person geführt wurden, war es leichter, Fragen zu stellen und Gedanken auszutauschen, da die Führung so mehr die Wirkung eines Dialogs hatte, als eines Vortrags.

 

Weiterhin besuchten wir verschiedene Gedenktafeln, unter anderem den Gedenkstein an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

 

Nachdem wir den ersten Teil unserer Führung durch René beendet hatten, begaben wir uns zum Hauptgebäude, für das Zeitzeugengespräch mit Maja Krapina.

Diese berichtete von ihrem Leben in Minsk vor der Invasion der Deutschen, von ihrem Leben als junge Jüdin im Minsker Ghetto und von den Herausforderungen, vor die ihre Mutter gestellt war.

Von ihrem Bruder, welcher sich den Partisanen anschloss, von ihrer Flucht aus dem Minsker Ghetto mit ca. 40 anderen Kindern und Jugendlichen und schließlich ihrer Ankunft in einem von sowjetischen Partisanen kontrollierten Dorf in dem die Kinder aufgenommen wurden.

 

Die Einwohner des Dorfes wurden später mit dem, von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem und dem Staate Israel ausgestellten, Ehrentitel „Die Gerechten unter den Völkern“ versehen. Dieser Ehrentitel wird Menschen verliehen, die große Risiken aus sich nahmen, um zur Zeit des Nationalsozialismus jüdische Menschen zu retten.

 

Später betätigte sich Krapina als Akrobatin und engagierte sich für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Noch heute, mit 81 Jahren, wirkt Maja Krapina wie eine starke, ungebrochene Frau, die sich dem Kampf gegen das Vergessen verschrieben hat, um dafür zu sorgen, dass ihre Erlebnisse nicht Teil der Biografie späterer Generationen werden müssen.

Nach der Diskussions und Fragerunde, schloss sie ihren Vortrag damit, dass sie in der Jugend und ihrer kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit das Potential sieht, solche Unmenschlichkeiten nicht erneut geschehen zu lassen.

 

Nach dem Gespräch besichtigten wir das KZ-Gelände, wo uns René weiter über die Unterbringung und die Arbeitsbedingungen sowie die Zusammensetzung des Lagers informierte. So sahen wir einen Güter-Waggon, in dem die Inhafiterten nach Neuengamme gebracht wurden und René erklärte uns, unter welchen Bedingungen und in welcher Enge dieser Transport statt fand.

 

Abschließend kann man sagen, dass sich Exkursionen in eine KZ Gedenkstätte lohnen, insofern sie mit einer unterrichtlichen Bearbeitung der Themas einhergehen, andernfalls bleibt hier nur ein moralisches Befangenheitsgefühl, ohne die wahre Tragweite und die Beweggründe der Täter kritisieren und begreifen zu können.

Denn wie eine falsche Aufarbeitung der Vergangenheit aussieht, auch dafür liefert das Gelände des KZ Neuengamme genug Anschauungsmaterial. So wurde dieses nach dem Krieg als Gefängnis weitergenutzt.

An dem Ort, wo zuvor Vernichtung durch Arbeit an Gewerkschaftern, Homosexuellen, sogenannten Asozialen, Kommunisten und vielen weiteren Menschen stattfand, brachte der deutsche Staat wieder Gefangene unter, da er der Ansicht war, hier ein moralisch gerechtfertigtes Gefängnis zu betreiben.

 

Das Zeitzeugengespräch fand zeitlich leider vor dem Thema „Erziehung zur Mündigkeit“ statt, sodass wir das Thema Erziehung im Nationalsozialismus und Aufarbeitung des Nationaliszialismus noch nicht vertieft im Unterricht behandelt hatten. Jedoch wird die Bearbeitung des Themas sicher auch im Nachhinein noch zu Erkenntnissen führen.

 

Johannes Liebhardt