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7. Norddeutscher Pädagogiklehrertag an der Anna-Warburg-Schule

Am 19. März 2015 fand bereits zum 3. Mal der Norddeutsche Pädagogiklehrertag an der Anna-Warburg-Schule in Hamburg statt. Vor gut gefüllter Aula machte der Poetry-Slammer Thomas Lankau das Opening und sorgte damit von Beginn an für eine heitere und lockere Atmosphäre.

 

Nach drei Beiträgen, die mit viel Humor mitunter sehr tiefsinnige Gedanken zum Ausdruck brachten, begann der Schwerpunkt des Nachmittags, der Vortrag von Frau Prof. Ingrid Gogolin von der Universität Hamburg.

„Jugend in `superdiversen´ Gesellschaften – über die Chancen, die in der `Ortslosigkeit´ liegen“,

so der Titel des Vortrags.

 

Ihr Themenschwerpunkt ist die Erforschung der Mehrsprachigkeit in unserer pluralen Gesellschaft. Sie zeigte dem interessierten Auditorium wie sich durch Migration seit den 60er Jahren die deutsche Gesellschaft verändert hat. Heute befindet sich die ganze Welt in Deutschland vertreten. Die Frage, wie viele Sprachen in Deutschland gesprochen werden, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Dazu liegen unterschiedliche Forschungsergebnisse vor, die von 50 bis 120 Sprachen allein in Hamburg variieren.

 

Frau Prof. Ingrid Gogolin    

Uni Hamburg

So konnte Frau Gogolin deutlich machen, dass Mehrsprachigkeit der Normalfall ist. Einsprachigkeit sei eigentlich

eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, eine Ideologie, die besage, der „Normale Mensch“ sei einsprachig.

 

In der Freien und Hansestadt Hamburg sind 2014 unter allen 9. Klässlern 57% der Jugendlichen ohne und bereits 43% mit einem Zuwanderungshintergrund, bei den Neugeborenen sind es schon ca. 50%.  Die Probleme, die zur Bildungsbenachteiligung von Kindern aus Zuwanderungsfamilien führen, sieht Gogolin im System bedingt. Während in Vor- und Grundschulen z.B. in Hamburg die (Pisa-) Kompetenzstufen noch ausgewogen verteilt sind, da diese die eigentlichen Gesamtschulen darstellten, erfolgt durch die Verteilung der Kinder auf Stadtteilschule und Gymnasium nach der sozialen Herkunft und wird damit risikohaft. Die Kompetenzstufen sind nicht mehr ausgeglichen vorhanden, sondern es gibt einige Schulen, bei denen kumulieren die Probleme und Benachteiligungen.

 

Aber Gogolin sieht auch Potentiale: Es ist ein höherer Anteil „Arbeiterkinder“ aus Zuwanderungsfamilien unter den Studierenden feststellbar als aus vergleichbaren Familien der Altansässigen. Der höhere Anteil an Studierenden mit Migrationshintergrund, der aus niedrigen Sozialschichten kommt, ist äußerst ambitioniert, aufstiegsorientiert und resilient.

 

Zum Schluss plädierte Frau Gogolin für einen strategischen Einsatz von Mehrsprachigkeit als „Lehrmittel“ im Unterricht. So sollte es in Klassen erlaubt sein, dass die Kinder alle ihre Sprachen sprechen und nutzen dürfen, um Texte zunächst zu verstehen. Dann muss allerdings die Bereitstellung der entsprechenden sprachlichen Mittel der Bildungssprache erfolgen, die konsequent eingeübt werden müssen.

 

Für alle, die sich näher damit beschäftigen wollen, warb Gogolin mit dem Lima-Lama der Uni Hamburg. Die anschließende Diskussion wurde engagiert geführt. Insgesamt war es ein interessanter und abwechslungsreicher Nachmittag. Im nächsten Jahr wird der norddeutsche Pädagogiklehrertag natürlich wieder bei uns in der Anna-Warburg-Schule im März stattfinden.

 

Ilka Landeck, Anna-Warburg-Schule, Hamburg