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Studienfahrt nach Krakau/ Auschwitz

 

Im Fokus unserer Reise nach Krakau standen die jüdische Kultur und der Gedenkstättenbesuch. Wir waren im Jüdischen Zentrum und in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte der Stadt Oswiecim (Auschwitz); außerdem wurden wir durch das Stammlager I/Auschwitz und Auschwitz-Birkenau geführt.

Unsere persönlichen Eindrücke haben wir unter Anwendung kreativer Methoden wie Schreiben, Fotografieren und Zeichnen dokumentiert.

 

Auf dieser Seite zeigen wir einige Ergebnisse.

 

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Auschwitz Stammlager 1


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Gedanken auf dem Gelände eines Konzentrationslagers

Ich, Lulu Kaschke, höre eine kleine Gruppe über die Schuldfrage diskutieren. Die Schuldfrage, wer für den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg alles verantwortlich ist. Ich befinde mich auf dem Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz in Polen.  Meine Meinung ist, dass die Schuldfrage heute in den Hintergrund rücken sollte. Ja, es wurden zu wenige Schuldige verurteilt! Heute wie damals sollte man aber kein ganzes Land verurteilen! Unser Guide erzählte uns von einer Dame namens Eva, sie sagte den weisen Spruch: „Verzeihung ist die Saat des Friedens.“  Ich empfinde ihn als äußerst treffend.

In Krakau habe ich eine gewisse Distanz und Abneigung nach der Herkunftsfrage zum ersten Mal gespürt. Es war kein schönes Gefühl wahrzunehmen, dass sich manche Leute dir gegenüber anders verhalten, wenn sie erfahren haben, dass du aus Deutschland kommst. Ich kann diese Menschen jedoch auch teilweise verstehen. Wenn man jedoch genau hinschaut merkt man, dass die meisten Deutschen sich noch immer sehr schuldig fühlen und sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzen.  Wir treten dem Thema sehr reumütig und ernst gegenüber. Wer in Deutschland Nazi-Witze macht, kommt nicht ungeschoren davon. Keiner in Deutschland kommt um das Thema des Zweiten Weltkrieges herum. Im Geschichtsunterricht hängt so manchem das Thema aus dem Halse raus.  

Aber bitte bedenkt auch, die Generationen, die uns mündliche Überlieferungen aus dieser Zeit mitgeben können, stirbt aus. Hört also aufmerksam zu!

Ich stehe also auf dem Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz und denke mir: Jeder sollte diesen Ort einmal gesehen haben. Er macht so manchem,  mit einem Schlag in die Magengrube, bewusst, dass die Geschichten aus den Geschichtsbüchern nicht ausgedacht, sondern real sind. Dass die Thematik heute immer noch genauso wichtig und aktuell ist. Die steigenden Mitgliederzahlen der AFD oder die hohe Anzahl an Demonstranten bei Pegida sollten uns aufrütteln!

Öffnet eure Augen. Und wenn ihr sie gerade nicht öffnen könnt, stolpert wenigstens über die Stolpersteine. Das Wichtigste jedoch ist: Vergesst nicht, trauert jedoch nicht nur!

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft erfolgreich mitgestalten.

 

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Birkenau (Lasse)


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Ohne Worte

eine Welt, auf die die Welt schaute
eine Welt, die vor Grausamkeit nicht zu erkennen war
eine Welt, die von Angst, Schreien, Tod… geprägt war
eine Welt, die die Geschichten von 6 000 000 Menschen verschluckt hat
eine Welt, die die Sinne des Menschen abstumpfte
eine Welt, die keine Fragen zuließ
eine Welt, die mit keinem Wort zu beschreiben ist
eine Welt, die kein Mensch je in seinem Ausmaß erfassen kann
eine Welt, die die Welt verändert
eine Welt, die von Menschen erschaffen und vernichtet wurde
eine Welt, in der die Freude nicht zum Wortschatz gehörte
eine Welt, die der Menschheit die vollen Fähigkeiten der Menschen, zu zerstören zeigte und bewies
eine Welt, die in die Herzen der Menschen versuchte einzudringen, um sie zu zerstören
eine Welt, die entstand um Narben zu hinterlassen
eine Welt, die die Menschheit verdrängen will
eine Welt, die niemals, NIEMALS in Vergessenheit geraten darf
eine Welt, die durch einen einzigen Menschen entstand und durch tausende funktionierte
eine Welt, die nur ein Ziel hatte,
TOD
es gibt Dinge auf der Welt, die lassen sich nicht beschreiben
es gibt Dinge, die lassen sich nur in dem Augenblick fühlen, in dem sie           passieren
es gibt Dinge, die lassen sich nicht nachempfinden
es gibt Dinge auf der Welt, die kann kein Mensch erfassen
der Mensch kann Teile erfassen, kleine Teile, aber nicht das Ausmaß, das Ausmaß nicht, gar nicht, überhaupt nicht. Da gibt es zu viel, viel zu viel, zu viel, zu viel, Schreckliches, Unglaubliches, Unbeschreibliches, Unbegreifliches
Menschenhand, von Menschenhand, all das unbeschreiblich Schreckliche, von Menschen, von Menschenhand, all das. Fragen, über Fragen, über Fragen, über Fragen, heute
Schreie, über Schreie, über Schreie, über Schreie, über Stille, über Stille, über Leiden, über Leiden, über Leben, über Leben, über Leben, über Grausamkeit, über Leben, über Grausamkeit, über Menschenhass, über Menschenhass, über Menschenhass, über Menschenhass, Frage über Frage, über Frage, über Frage, über Fragen… Wie, Was, Wann, Wer, Wo, Wozu, Warum, Wieso, Weshalb, Weswegen, WARUM? Kein Lachen, kein Leben, kein Lieben, kein Verstehen, kein Schlafen, kein Wachen, kein Sprechen, kein Laut, kein Handeln, kein Essen, kein Trinken, kein Lohn, kein Atmen, kein Röcheln, kein Stöhnen, kein Husten, NICHTS…, TOD
Der Holocaust ist nicht mit Worten, Taten, nicht in Gefühlen zu fassen. Trotzdem müssen wir aus ihm lernen. Wir müssen Menschen im Menschsein unterstützen. ALLE! 
Dass Helden die Welt retten, geschieht nur in Geschichten. Die Welt retten, wer braucht das schon. Die Erde lebt schließlich noch. Tut sie das wirklich? Ist das eine Welt, wie wir sie haben wollen? Ich bin überzeugt, ein wahrer Held hätte die Welt vor dem Anfang ihrer Zerstörung bewahrt. Nun sind wir mitten drin. Es ist noch nicht vorbei. Es geht weiter, schließlich hat uns immer noch kein Held gerettet. Es starben 6 Millionen Menschen. 6 Millionen! Das ist eine sechs mit sechs Nullen. Das ist unvorstellbar, aber die Realität. Die Realität in unserer Welt ohne Held.
Warum sollte einer allein die Welt retten, wo es doch Milliarden von Menschen gibt. Wir brauchen uns nur zusammenschließen und wir haben die Kraft, Heldentaten zu vollbringen. Also tut euch zusammen und steht für eure Rechte auf!

STEHT AUF FÜR EURE RECHTE!!!

A.

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alte GaskammerBaracken Birkenau

 

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Diese friedliche und ruhige Stimmung erscheint mir bis zum Ende meines Besuchs auf diesem jüdischen Friedhof, welcher während der Nazi-Okkupation in den Jahren 1939-45 fast vollständig zerstört wurde, irreal. Aber sie ist beruhigend, hat eine gewisse Magie, hinterlässt einen versöhnlichen Eindruck. Man muss jedoch die Bereitschaft und auch die Kraft mitbringen, sich hierauf einzulassen. Aber dieser Ort zeigt mir: Ja, es scheint allen Schrecken zum Trotz Raum für Frieden und Versöhnung zu geben!

 

 
Jüdischer Friedhof